The Great Turning – Tiefe Ökologie

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Vor ein paar Wochen habe ich eine Reise in den pazifischen Nordwesten der USA unternommen. Dabei bin ich unter anderem über eine öffentliche Ausstellung von Studenten der Antioch Universität Seattle gestolpert. Es war das Abschlussprojekt ihres Kurses The Great Turning (als etwas lose Übersetzung hierfür habe ich “Tiefe Ökologie” gefunden), der auf Inhalten einiger Bücher von Joanna Macy basiert. Das wohl bekannteste ist Die Reise ins lebendige Leben. Ich hatte nur kurz davor durch Zufall (falls man an sowas glauben möchte) davon erfahren, und hatte damals keine Ahnung, wie sehr es mich genau an den Ort gebracht hat, wo ich sein sollte.

Das Gebäude der Antioch Universität in Seattle sieht von außen nicht sonderlich vielversprechend aus, aber nachdem ich mich hineingewagt hatte, wurde ich äußerst positiv überrascht. Anscheinend ist diese Uni in alternativen Kreisen bekannt als besonderes Juwel der Weiterbildung auf dem Bereich Ökologie und nachhaltiges Leben. Allein schon dass es so einen Ort gibt, aber auch meine Gespräche mit den Menschen dort, und die Vorträge die ich gehört habe, haben mir neue Hoffnung und Motivation geliefert, mit dem weiterzumachen, was ich tue, und auch den nächsten Schritt zu wagen, auch wenn ich noch nicht genau weiß, wo er mich hinführen wird.

Die Idee der Tiefen Ökologie (The Great Turning) ist es, dass all die Herausforderungen vor denen die Menschheit gerade steht, all die Veränderungen, instabilen Systeme und Krisen sind in Wahrheit die größte Möglichkeit für Veränderung und Wachstum, die wir als Menschheit jemals hatten. Mir gefällt dieser Blickwinkel, da er aus einer verzweifelten Angststarre einen hoffnungsvollen Aktivismus macht. Kurz zusammengefasst geht es bei der Arbeit von Joanna Macy um drei Dimensionen der Veränderung:

  1. Aktionen um den Schaden der auf die Erde und seine Lebewesen ausgeübt wird zu verlangsamen
  2. Analyse von strukturellen Ursachen und die Erschaffung neuer struktureller Alternativen
  3. Eine Veränderung des Bewusstseins

Genauere Details gibt es hier (habe leider nur eine englische Quelle gefunden): www.joannamacy.net/thegreatturning/three-dimensions-of-the-great-turning.html

Die Vorträge bei der öffentlichen Ausstellung haben alle drei Dimensionen behandelt (jeweils Organisationen, die sich auf eine der Dimension spezialisiert haben). Einer davon wäre Michael Withey von Micro Community Concepts aus Portland, Oregon gewesen. Da er aber kurzfristig krank wurde, ist es mir ein besonderes Anliegen, ihn und seine Organisation (vergleichbar mit einem gemeinnützigen Verein) hier zu erwähnen. Ich habe Michael Withey auf meiner Reise in Portland getroffen und war echt beeindruckt und sehr inspiriert von seiner Idee. Er möchte Menschen helfen, die nicht genug Geld bekommen (wie viel sie verdiehnen würden sei dahingestellt), um sich eine Wohnung leisten zu können, seit die Mietpreise extrem in die Höhe geschnellt sind. Seine Idee ist es, Grundstücke zu finden, auf denen er kleine Tiny House Gemeinschaften erschaffen kann, die er selbst baut, aber auch – mit genug monetärer Unterstützung – größere Wohnhäuser zu kaufen, um dort leistbares (hier ist nicht die politische Vorstellung von “leistbar” gemeint) Wohnen anbieten zu können. Die Welt braucht mehr Menschen wie ihn und sein Team, die wirklich versuchen, die Welt zu ändern, indem sie andere unterstützen, eine nachhaltige Lebensgemeinschaft aufzubauen.

Eine andere tolle Organisation von der ich auf der Veranstaltung gehört habe trägt den Namen Rite of Passage Journeys. Hier wird speziell Jugendlichen angeboten, über einen Zeitraum von einer Woche oder länger einen Initiationsritus ins Erwachsensein zu erleben, was ja heutzutage leider viel zu selten passiert.

Hiermit möchte ich all den wunderbaren Menschen danken, die ich auf dieser Veranstaltung getroffen habe. Ihr seid eine Inspiration für viele andere! In meinem nächsten Beitrag werde ich ein paar Informationen teilen, was ich während meiner Reise über die Tiny House Szene in den USA gelernt habe, und wie sie sich von Europa unterscheidet.

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