Kleine Häuser in Portland

Tiny House Hotel Caravan

Wie ich bereits bei meinem letzten Eintrag erwähnt habe, war ich Ende des letzten Jahres im pazifischen Nordwesten von Amerika. Eines meiner Ziele war Portland, Oregon, das bekannt ist für seine große Tiny House Gemeinschaft. Aber als ich gehört habe, dass es sich bei “groß” um ca 6000 Tiny Houses handelt, war ich trotzdem überrascht, wie groß die Anzahl ist. Bevor ich nach Portland gekommen bin, war mir nich bewusst, wie umfangreich dieses Tiny House Movement tatsächlich ist in Nordamerika. Es gibt zwei oder drei unterschiedliche tägliche bzw. wöchentliche Sendungen im Fernsehen, die dieses Thema behandeln. Hauptsächlich geht es darum, für einzelne Personen, Pärchen oder eine Familie das passende Tiny House entweder zu finden oder speziell angepasst zu bauen.

Während ich in die Szene eingetaucht bin, habe ich auch gelernt, dass die Bezeichnung “Tiny House” sehr unterschiedlich verstanden wird. Für manche Menschen sind es nicht einfach nur kleine Häuser, sondern nur speziell Häuser auf Rädern, bzw. teilweise sogar nur Häuser auf Rädern, die nach einem speziellen Stil errichtet wurden. Für andere wiederum sind es alle kleinen Häuser (unter ca 20 m2) und sogar entsprechend kleine Wohnungen. Bei der Tiny House Bewegung geht es den meisten aber nicht nur darum, die Größe seines Zuhause zu reduzieren, sondern auch um eine soziale Stellungnahme. Es geht darum, die aktuell “normale” Hausgröße zu hinterfragen, und alles was damit zusammenhängt. Es geht darum, das Leben zu vereinfachen, aus der (oder nicht in die) Schuldenfalle zu geraten, die Möglichkeit, sein Zuhause überallhin mitzunehmen, und wahrscheinlich noch viele andere Gründe. Aber obwohl jeder unterschiedliche Gründe hat, sich der Tiny House Gemeinschaft anzuschließen, gibt es doch den gemeinsamen Aspekt des reduzierten Wohnens, der diese globale Gemeinschaft verbindet. Das hat mich dazu inspiriert, mir auch die Tiny House Gemeinschaften in Europa genauer anzusehen. Darüber aber mehr in einem eigenen Eintrag :-).

Während meiner Reise hatte ich die Möglichkeit, das Tiny House Hotel “Caravan ” in Portland zu besuchen. Im Grunde ist es ein alter Parkplatz auf dem aktuell 6 Tiny Houses im Kreis aufgestellt sind, und sich eine kleine Gemeinschaftsfläche mit Feuerstelle in der Mitte daraus ergibt. Obwohl es nicht besonders günstig ist, eine Nacht in einem dieser Häuser zu verbringen, ist es in Relation eine günstige Möglichkeit, das Wohnen auf kleinem Raum auszutesten, und vielleicht sogar schon ein paar Ideen dafür zu bekommen, was man unbedingt oder auf keinen Fall in seinem eigenen Tiny House haben möchte.

Lilypad

Bei der Führung durch das Tiny House Hotel habe ich außerdem eine in Portland lebende Tiny House Besitzerin kennen gelernt, die mich großzügigerweise in ihr wunderbar geniales (gar nicht so klein wirkendes) kleines Reich – das den Namen Lilypad trägt – eingeladen hat. Es ist relativ untypisch, wenn man es mit den meisten Tiny Houses vergleicht, die man so findet, weil es 2 Lofts hat, die beide mit Stiegen (nicht mit einer Leiter) erreichbar sind. Sie hat es tatsächlich geschafft, ein Haus mit 5 unterschiedlichen “Räumen” zu schaffen, und es trotzdem (oder genau deshalb) sehr groß wirken zu lassen. Was wahrscheinlich den größten Unterschied macht, ist das Dach, das zur Maximalhöhe von fast 4 Metern auf der einen Seite geht, und auf der anderen auch nur leicht abgerundet ist. Der sonst oft verwendete Giebel in der Mitte nimmt im Vergleich meist viel mehr Raum weg.

Es wird viel darüber geredet, warum es toll ist, zu reduzieren und auf kleinem Raum zu leben, es werden aber auch Stimmen laut, die die Nachteile hervorheben. Für mich kommt es immer auf das persönliche Ziel an. Was bist du bereit aufzugeben? Was erhoffst du zu gewinnen? Diese Fragen sind ein sehr wesentlicher Teil des Prozesses der Wohnraum-Reduzierung, die man sich so früh wie möglich stellen sollte. Im Grunde geht es aus meiner Sicht um eine gute Balance zwischen diesen zwei Aspekten. Und was meint ihr?

Tiny House update – Küche – Badezimmer- alles fertig!

Mein Tiny House Projekt war über den Sommer ein bisschen im Winterschlaf (muss wohl leicht verwirrt gewesen sein). Nachdem ich mir aber eine Deadline für die Fertigstellung gesetzt habe, ist die Motivation auch wieder zurück gekommen, und hat neuen Wind in die Segel gebracht Der größte Teil der noch gefehlt hat war die Küche und das Badezimmer

Die Küche

Meine Küche war ja davor zwar auch schon funktional, aber ich wollte sie umgestalten, weil ich unbedingt mehr (oder überhaupt) Platz brauche zum Ablegen von diversen Dingen, zum Schneiden von Gemüse und co. Kurz gesagt, eine Arbeitsfläche. Ich hatte ein paar Ideen, wie ich diese Arbeitsfläche hinbekomme, aber die meisten waren so aufgebaut, dass sie einiges an Baumaterial, Zeit und Energie benötigen, weil ich in irgendeiner Form ein Regal selbst bauen muss. Während ich darüber nachgedacht habe, wo ich das Holz zum Bauen herbekomme, und wie ich es tatsächlich umsetzen könnte, hatte ich eine viel einfachere Idee. Ich musste nichts bauen, nur fertige Regale und Kastl zusammenstellen. Und so sieht es jetzt aus:

Küche

Meinen elektrischen Herd und Ofen habe ich auf ein Rollkastl gestellt, und teilweise im Ivar Regal verschwinden lassen. Normalerweise, wenn ich nur eine Herdplatte brauche, kann ich es so nutzen wie auf dem Bild sichtbar, und wenn ich die andere Platte oder den Ofen brauche, dann rolle ich das Kastl heraus, und habe den vollen Funktionsumfang.

Für mein Waschbecken-System suche ich noch immer einen schönen Glasbehälter mit Hahn für mein Wasser, aber das ist hier in Österreich nicht so einfach zu finden. Außerdem möchte ich einen Vorhang oder eine andere Abdeckung für das Chaos unterhalb des Waschbeckens montieren. Aber da das unter die Kategorie “schön”, und nicht unter die Kategorie “nützlich” fällt, hatte es bisher nicht die größte Priorität.

Das Badezimmer

Der letzte Teil der nach der Küche für den Abschluss noch gefehlt hat war das Badezimmer. Die Trockentrenntoilette hatte ich ja schon seit längerem fertig und in Gebrauch, aber da ich noch keine Vorhänge bei den Fenstern habe, habe ich mich immer ein bisschen wie in einer Auslage gefühlt (auch wenn das Fenster in den Garten schaut). Außerdem wollte ich es auch ausprobieren, eine Dusche hineinzubauen. Also habe ich mal zuerst eine Wand gebaut, wo die Dusche hinkommen sollte:

Badezimmer ohne Wand Badezimmer mit Wand

Ich wollte eine zusätzliche Wand anstatt einem Vorhang, um mehr vertikalen Platz zu haben zum Aufhängen von Bildern, Spiegel, etc. Leider habe ich kein Bild von der fertigen Dusche, aber hier eine kurze Beschreibung wie ich sie umgesetzt habe: Nachdem ich keine “normale” Duschtasse gefunden habe, die 60×80 cm groß ist, habe ich nach Alternativen gesucht, und eine Aufbewahrungsbox mit den selben Maßen gefunden. Das Wasser kommt – genau wie bei meiner Abwasch – aus einem Solarduschen-Sack, der so montiert ist, dass ich ihn an einem Flaschenzug herunterlassen kann zum Wasser einfüllen, und wieder raufziehen um das notwendige Gefälle für das Fließwasser zu bekommen. Außerdem gibts einen Duschvorhang, der rundherum geht, damit nicht allzuviel anderes nass wird. Das alles bedeutet, dass ich nur so lange duschen kann wie ich Wasser im Beutel habe, und aber auch nicht mehr als in die Aufbewahrungsbox passt. Die muss ich dann am Ende der Dusche nach draußen rollen (hat praktischerweise Räder auf der Unterseite) zum ausleeren. Damit ihr euch zumindest ein bisschen vorstellen könnt wie es aussieht, hier ein Bild nur mit der umfunktionierten “Duschtasse”:

Duschtasse

Um das Badezimmer abzuschließen, habe ich noch eine Vorhang als Tür aufgehängt, und einen kleinen Spiegel montiert:

Badezimmer Vorhangs-Tür

Das wars! Fertig! Ich hatte noch keine Zeit, gute präsentable Fotos vom gesamten Innenleben meines Hauses zu machen, aber die kommen bald!

Mein Zuhause ist, wo mein Herz ist

Sonnenuntergang

Ich habe mich vor kurzem gefragt: Wann wird ein Haus zu einem zuhause? – Die Antwort habe ich in einem alten Volkslied gefunden (wahrscheinlich von einem Stamm der nordamerikanischen Ureinwohner, habe ich aber nie verifiziert):

I’ve been travelling a day,                Ich bin einen Tag lang gereist,
I’ve been travelling a year,              Ich bin ein Jahr lang gereist,
I’ve been travelling a lifetime,        Ich bin ein Leben lang gereist,
to find my way home.                       um meinen Weg nach Hause zu finden.

Home, is where my heart is            Mein Zuhause ist, wo mein Herz ist,
Home, is where my heart is            Mein Zuhause ist, wo mein Herz ist,
Home, is where my heart is,           Mein Zuhause ist, wo mein Herz ist,
My heart is my home.                      Mein Herz ist mein Zuhause.

Mein Herz IST wirklich mein Zuhause. Aber dadurch, dass ich so viel meines Herzens in mein kleines Haus gesteckt habe, ist es nun auch Teil meines Zuhause geworden. Mein Zuhause inkludiert auch Menschen, die ich zu meiner Familie zähle und sehr gute Freunde, daher werde ich nie wirklich ohne Zuhause sein. Und trotzdem fühle ich mich, seit ich in mein Häuschen gezogen bin wie wenn ich endlich nach Hause gekommen bin. Wenn ich in meinem Häuschen bin, fühle ich mich wie in einer warmen Umarmung von einer geliebten Person. Es ist sicher nicht perfekt wenn man nach allgemeinen Standards geht, aber es ist in meinen Augen perfekt, mit all seinen Imperfektionen.

(fast) fließendes Wasser

Um ein bisschen mehr Luxus in meinem Tiny House zu haben, war der nächste Schritt auf meiner Liste, ein Gestell für mein Waschbecken zu bauen. Die Idee war es, einen Wasserbehälter oberhalb zu montieren, der mit einem Wasserhahn verbunden ist, ein Waschbecken, und darunter einen Kübel um das Grauwasser aufzufangen. Mein Ziel war es ein System zu schaffen, das so einfach wie möglich ist, und trotzdem alle meine Bedürfnisse erfüllt.

Email Waschbecken

Auf dem Bild ist das Email-Waschbecken, das ich schon vor Monaten gebraucht im Internet gefunden habe, und mich sofort darin verliebt habe. Die perfekte Größe (38×40 cm), das perfekte Gewicht (leicht), und am wichtigsten: ganz genau der Stil nachdem ich gesucht hatte. Ich wollte keines aus Plastik, weil das einfach nur billig ist, es sieht schrecklich aus,…. naja, ich brauche glaub ich nicht alle meine Gründe aufzählen, warum das einfach keine Option war für mich. Keramik wäre okay, aber ist sehr schwer, und passt finde ich genauso wenig vom Stil her in mein Tiny House. Metall ist zwar nicht perfekt, wäre aber die einzige andere Option gewesen, mit der ich hätte leben können, aber glücklicherweise musste ich das nicht. Das Lustige daran ist, dass dieses Waschbecken nicht nur perfekt ist wegen all der Gründe die ich gerade aufgezählt habe, sondern es war auch die billigste Variante! Der Mann, der sie mir verkauft hat, hatte gleich mehrere, und wusste nicht, was er damit tun soll.

Gestell für Waschbecken

Also zum Gestell… Ich wollte nicht das ganze Gestell selbst bauen, vor allem weil ich mir ein bisschen unsicher war, ob ich das hinbekomme, dass es stabil genug wird. Also habe ich für den hinteren Teil (der an der Wand steth) ein IVAR Gestell (von IKEA) verwendet, das 50 cm breit und 180cm hoch war, und ein weiteres, das nur 80 cm hoch war für die Vorderseite. Da 80 ein bisschen zu niedrig war für mein Waschbecken habe ich ein bisschen an der Höhe herumgebastelt, einen Rahmen für das Waschbecken gebaut, und alles fest verschraubt.

Waschbecken mit fließendem Wasser

Als Wasserbehälter habe ich den Sack eine Solardusche mit minimalistischem Wasserhahn verwendet und einfach auf das IVAR Regal gehängt, einen Kübel unter das Waschbecken gestellt, und jetzt habe ich den Luxus von fließendem Wasser (das ich in regelmäßigen Abständen mit Kanister nachfüllen muss)! Es ist echt faszinierend, wie Dinge, die so klein und unscheinbar wirken, so einen großen Unterschied machen können, und bei mir so viel Begeisterung auslösen können! Ich bin zwar jetzt noch auf der Suche nach einem schöneren Wasserbehälter (vorzugsweise aus Glas), aber vorerst passt es schon mal sehr gut.

Scheiße. Und was jetzt?

Da ich einige Fragen über meine Komposttoilette bekommen habe, wie sie eigentlich funktioniert, was das Ziel ist, etc., habe ich beschlossen, ein bisschen meiner Recherche mit euch zu teilen. Achtung: ich werde das Thema nicht schönreden. Also wer über Scheiße nicht lesen möchte, sollte jetzt aufhören.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen dem guten alten Plumpsklo und einer Komposttoilette?

Naja, das Plumpsklo war meist nicht im Haus, sondern draußen in einem extra “Häusl”, was wahrscheinlich auch aufgrund des intensiven Geruchs sich so ergeben hat, oder weil es weiter weg war, war der Geruch kein Thema. Meist wurde einfach eine Grube gegraben, ein Häusl draufgestellt, und benutzt bis es voll war. Früher haben sie dann vielleicht einfach daneben ein zweites Loch gegraben, aber irgendwann wurde damit begonnen, die Senkgruben auszuheben und gesammelt irgendwo zu verarbeiten.

Die Komposttoilette ist in mancherlei Hinsicht nicht so viel anders, aber der Fokus und die Intention ist es schon. Eines der Hauptziele z.B. ist das Vermeiden/Sparen von Wasser, und in weiterer Folge nicht die Exkremente zu verwässern, damit man sowohl das Wasser als auch die Exkremente nicht mehr nutzen kann solange sie nicht in einer Kläranlage mit viel Energieaufwand behandelt wurden. Um noch einen Schritt weiter zu gehen ist die Idee, wieder geschlossene (Natur-)Kreisläufe zu schaffen. Durch das Kompostieren der Exkremente werden diese – mit etwas Zeit und Geduld – in wertvollen Dünger verwandelt, der benutzt werden kann um wieder Nahrungsmittel zu produzieren.

Der letzte Punkt ist wahrscheinlich der, der die meisten Menschen verunsichert: “Aber es könnten doch Krankheiten übertragen werden und wer weiß was da noch alles drin ist…” – Naja, Ich kann derzeit nur die Information wiedergeben, die ich in meiner Recherche gefunden habe, aber im Grunde ist es hauptsächlich wichtig, den Kompostierungsprozess vollständig (genug hohe Temperatur, ausreichender Zeitraum) abschließen zu lassen. Ich würde das Endprodukt wahrscheinlich trotzdem nicht für mein Gemüse sondern eher für Gebüsch und Bäume verwenden, aber das ist vor allem, weil ich (derzeit noch) nicht genug über die überaus genaue Wissenschaft der Kompostierung weiß.

Falls das der Teil ist, der dich besonders verunsichert, gibt es immer noch die Möglichkeit, die Fäkalien in einem (dicken und vorzugsweise undurchsichtigen) Sack zu sammeln und in den Müll zu werfen. Mit dieser Lösung werden zwar keine Kreisläufe geschlossen, aber zumindest die anderen Ziele erreicht (Wasser sparen, etc.)

Ich habe außerdem vorher schon kurz den Geruch erwähnt… Ich habe einige Beiträge darüber gelesen, und die Hauptaussage ist, dass der Hauptgestank davon kommt, dass Fäkalien und Urin zusammengemischt werden. Diesbzgl. habe ich bereits vor einem Jahr ein Experiment durchgeführt, und tatsächlich einen wesentlichen Unterschied in der Geruchsbelastung festgestellt. Aber nur weil es getrennt weniger stinkt, heißt das nicht, dass es gar nicht riecht/stinkt. Das tut es nämlich schon. Es ist also auf jeden Fall wichtig, immer den Klodeckel zu schließen, und vorzugsweise ein Belüftungssystem mit einzubauen.

Um die Trennung von Urin und Exkrementen zu erreichen, habe ich eine speziellen Toilettensitz von der Firma “Separett” verwendet, die alle möglichen Varianten von wasserlosen Toiletten-Systemen anbieten; von einem sehr einfachen Toilettensitz wie ich ihn benutze bis zu hoch-technischen Komposttoiletten.

In den ersten paar Wochen der Verwendung hat mich am meisten überrascht, wie das Mengenverhältnis zwischen Urin und Exkrementen tatsächlich aussieht. Ich muss meinen Urin-Kübel fast täglich leeren (ist ein eher kleiner Kübel), und der Exkremente-Kübel ist gerade mal halbvoll nach mehreren Wochen! Zu Beginn war der Geruch fast nicht merkbar, aber jetzt – nach ca 3 Wochen – hat sich ein Geruch breit gemacht, und scheint es Zeit, auch die Exkremente zu leeren. Wobei ich mir nicht mal ganz sicher bin, ob der Geruch wirklich von der Toilette kommt. Und er ist zwar merklich, aber nicht unerträglich – und das noch ganz ohne Ventilationssystem!

Hat jemand von euch andere Erfahrungen in dem Bereich? Ich würde sehr gerne darüber lesen!

Beweg deinen Hintern!

Obwohl ich in einem früheren Eintrag geschrieben habe, dass ich eine voll funktionstüchtige Toilette brauche, um wirklich einziehen zu können, hat der Prozess des Toilettenbaus sich etwas mit meinem Einziehen überschnitten, weil ich einfach nicht länger warten konnte bzw. wollte. Also war die große Frage: Was brauche ich wirklich zum Leben?

Also, “brauchen” wird ja von jeder Person zu unterschiedlichen Zeitpunkten etwas anders definiert. Ich für mich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich manche Teile von Veränderungen zu radikal oder zu schnell umsetze, dass mich das völlig vom Pfad der Veränderung abwenden lässt. Also habe ich mir “erlaubt”, die Bedeutung von “brauchen” etwas auszudehnen.

Vorerst habe ich einen Teil meiner Kleidung, einige Küchenutensilien, Handtücher, und – was ich sehr überraschend fand – großteils Bücher übersiedelt! Ich habe ein paar davon aussortiert, und andere sind noch in einer Box gelandet mit der Aufschrift “mindestens einmal gelesen, kann sie trotzdem nicht hergeben”, aber ungefähr ein Drittel (wenn nicht sogar mehr) von all dem was ich im ersten Schwung übersiedelt habe war Bücher! Ich kann (und will auch gar nicht) sagen, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist, aber es war doch sehr überraschend für mich.

Ich habe noch lang nicht alles übersiedelt, was ich wahrscheinlich noch irgendwann brauche, aber der erste Schritt für das tatsächliche Leben in einem Tiny House ist mehr oder weniger abgeschlossen. Ich habe nicht wirklich zusammengeräumt oder besonders beschönigt für die Bilder (wie es sehr oft wirkt bei Bilder-Geschichten von Tiny Houses), vor allem weil ich tatsächlich hier lebe, und das nicht für eine Ausgabe von “Schöner Wohnen” gedacht ist. Hier ein paar Bilder, um einen ersten Eindruck zu liefern, wie es derzeit in meinem kleinen Häuschen aussieht:

Tiny House innen

Tiny House innen

Man sieht, dass noch einiges zu tun ist (den Tür-Vorhang richtig montieren, eine Badezimmerwand, ein richtiges Waschbecken, eine Küche, die ordentlicher und mehr wie eine Küche aussieht, etc.), Aber es ist ein Anfang. Was sagt ihr dazu?

Der Traum

Vor inzwischen ein bisschen mehr als zwei Jahren – vielleicht sogar noch länger her – habe ich angefangen, bewusst zu bemerken, dass mir etwas in meinem Leben fehlt – und schon immer gefehlt hat: mein persönlicher Sinn im Leben. Seitdem habe ich eine Reise gestartet, um einzelne fehlenden Teile zu finden, die mich zum großen Ganzen führen. Und jetzt erzähle ich euch von einem davon.

Neben einigen anderen Projekten habe ich vor ca. einem Jahr begonnen, schrittweise viele Dinge in meinem Leben zu reduzieren. Ich bin viel sinnlosen Klump losgeworden, der sich über die Jahre angehäuft hat, und bin noch immer nicht fertig damit (ist echt keine einfache Aufgabe für mich). Außerdem habe ich vor inzwischen ca. 2 Jahren das erste Mal die Idee eines kleinen Häuschens auf Rädern entwickelt. Ich hatte das Bild eines leicht modernisierten, autarken Holz-Zigeunerwagens in meinem Kopf – und habe es in leicht abgewandelter Form noch immer. Es sieht in etwa so aus:

Source: http://tiny-houses.de/wp-content/uploads/zirkuswagen-verkauft.jpg

Nachdem das Bild in meinem Kopf sich immer mehr weiterentwickelt hat, habe ich natürlich auch nach Inspiration im Internet gesucht, und bin bis heute immer wieder aufs neue fasziniert, wie viele Menschen die gleiche Idee und Träume hatten, oder inzwischen davon mitgerissen wurden, und wie teilweise sehr unterschiedlich sie sie umgesetzt haben. Hier ist eine sehr kurze Liste an Beispielen:

Beispiele von der anderen Seite des Teichs:

http://www.tumbleweedhouses.com/

http://tinyhouseblog.com/

http://relaxshacks.blogspot.com/

http://tinyhouseswoon.com/

Beispiele aus Europa:

http://www.roulottes.nl/

http://www.wohnwagon.at/

http://www.bewegtleben.com/

http://www.wohlwagen.de/

Diese Liste einfach so ohne viel Erklärungen hier zu veröffentlichen fühlt sich ein bisschen wie Fastfood an und dafür möchte ich mich entschuldingen. Ein oder mehrere ausführliche Einträge über reduziertes und mobiles Wohnen und Leben werden aber sicher noch kommen – speziell auch zu meinem eigenen Experiment und Selbstversuch.